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Meine jüngsten Kommentare

Ende Januar 2014 verleibte sich die Deutsche Annington GAGFAH ein
(24. Mai 2020)

Grill

Als am Morgen des 01.12.2014 die börsenorientierten Wohnungskonzerne Deutsche Annington und GAGFAH, damals die Nr. 1 und Nr. 3 unter den deutschen privaten Immobilieninvestoren, ihren für Ende Januar geplanten Zusammenschluss öffentlich machten, war die Aufregung bei den Mietervereinen vergleichsweise hoch. Zu Recht, muss man sagen. Tobias Scholz, der wohnungspolitische Sprecher des Mietervereins Dortmund meinte damals. Der Betongold-Wahnsinn scheint damit seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Die heute bekanntgegebene Verlobung ist dem Anlagedruck durch billiges Geld auf den Kapitalmärkten geschuldet und zeigt einmal mehr, wie Wohnungen und Wohnungsunternehmen zur Handelsware geworden sind. Die Sorgen und Nöte der Mieter spielen bei diesen Deals überhaupt keine Rolle. Wir befürchten durch den Zusammenschluss Umstrukturierungen, die sich negativ auf Mieterinnen und Mieter auswirken." Damals war die hohe Zeit der Privatisierungen. Hemmungslos veräußerte auch die Bundesregierung ihr verbliebenes Immobilieneigentum. Es war das der GAGFAH, das sie noch treuhänderisch verwaltete.

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Der Landtag NRW will 2011 wissen: "Was tun gegen die Finanzinvestoren?"
(24. April 2020)

Fahrzeug

Wohnungspolitik ist ein Metier, das vom Auf und Ab tagesfrischer Skandale, Themen oder Konjunkturen der Aufmerksamkeit bestimmt ist. Der Landtag beschloss 2011, eine Enquetekommission zu den neuen Finanzinvestoren ins Leben zu rufen. Die Fraktionen müssen damals von empörten Wählern oder Wählerinnen, die in angeblichen Problemimmobilien wohnten, angerufen worden sein, dass die Zustände dort unerträglich seien. Eine Landeswohnungspolitik gab es nicht, das war Aufgabe des Bundes. Es gab damals eine Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), die 90.180 Wohnungen hatte, 57 Prozent waren sozial gefördert. Die NRW-Regierung hatte sie erst stückweise, 2008 aber vollständig Whitehall Real Estate Funds privatisiert, was bald Mieterwiderstand hervorrief. Die Struktur der LEG war unüberschaubar und Risiko behaftet. Der politische Handlungsdruck war groß, eine klare politische Orientierung fehlte. Die Koalition zwischen SPD und GRÜNEN war völlig neu und hätte neue Wege gehen können. Die Enquetekommission war das Mittel, sich zurechtzufinden oder sich durchzuwurstln.

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Durchatmen? Jetzt Vonovia weich gespült
(11. April 2020)

Banner 'Mieterhöhung'

Ich habe in meinen Blogs immer kritisiert, dass Vonovia die Mieten erhöhte, nicht selten mit faulen Argumenten wie dem, dass es sich um eine energetische Sanierung handele, an der sich Mieter zu beteiligen hätten. Mieteranwälte verlangten Handwerkerrechnungen für die Gewerke der energetischen Sanierung und Handwerkerbelege für Nebenkosten wie Heizungswartung, Treppenhausreinigung oder Schneeräumen. Vonovia konnte sie nicht vorzeigen, weswegen sie ihre Prozesse gegen Mieter und Mieterinnen reihenweise verlor. Jetzt gibt sich Vonovia weich gespült und der Vorstandsvorsitzende Rolf Buch sagte der Süddeutschen Zeitung am 8. April 2020: "Solange die Corona-Krise akut ist, sprechen wir keine Mieterhöhungen in den laufenden Verträgen aus. Auch wenn man Sanierungen abschließt, erhöhe man die Mieten vorerst bis September nicht. Große Vorhaben wie Aufstockungen oder Fassadenerneuerungen stellt Vonovia zurück. Mit dem Bau neuer Wohnungen schreite man ebenfalls langsamer voran, da auch Bauarbeiter Abstandsregeln einhalten müssen."

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2006: Mietervereine im Ruhrgebiet schufen Vonovia Aktionsbündnis und mehr
(2. April 2020)

Hausfront

"Notfalls enteignen", forderte der WAZ-Redakteur Gerald Nill angesichts der Vernachlässigungen, die er 2010 in Dortmund-Westerfilde in Wohnungen internationaler Finanzinvestoren zu sehen bekam. Und er schrieb außerdem: "Die Kommune ist fast machtlos den ausländischen Fonds gegenüber und mit der Reparatur der Fehlentwicklungen überfordert. Da hilft nur eines: Wenn eine 87-jährige Frau in ihrer kalten Wohnung über Wochen keinen Ansprechpartner bei den Gesellschaften findet, muss über Zwangsenteignung und Treuhandgesellschaften nachgedacht werden. Der Gesetzgeber ist am Zug". Aber der kümmerte sich auch damals nicht darum. Drei Mietervereine des Ruhrgebiets aus Bochum, Dortmund und Witten schufen frühzeitig ein Aktionsbündnis Vonovia, das bis heute lebt und vom Deutschen Mieterbund getragen wird. Sie inspirierten 2010 auch eine Enquetekommission des Landtags NRW, die relativ harmlos von sich behauptete, sich mit dem "wohnungswirtschaftlichen Wandel und den neuen Finanzinvestoren" zu beschäftigen. Auf 350 Seiten Abschlussbericht präsentierte sie Untersuchungen über die Verbreitung der Finanzmarkt orientierten Wohnungswirtschaft in Nordrhein-Westfalen, das Ausmaß der Vernachlässigung der von ihnen erworbenen und mehr oder weniger bewusst mangelhaft gemanagten Wohnungsbestände. Besondere staatliche Regeln gibt es für sie nicht. Sie werden an den deutschen Börsen gehandelt. Davon haben ihre Mieter und Mieterinnen nichts.

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Weltwirtschaftskrise 2008, Neoliberalismus und Deutsche Annington
(27. März 2020)

Geldscheine

Überraschend in der Geschichte der deutschen Immobilienökonomie war aus heutiger Sicht das Jahr 2003, das Jahr, in dem das Immobilienunternehmen Viterra, das man für stock-konservativ halten könnte, weil es bis zu diesem Jahr 2003 nur die Werkswohnungen der Kohle-, Stahl- und Energiewirtschaft des Ruhrgebiets bündelte und so einigermaßen ein Schuss hielt. Viterra trat jedoch als Schleuserin von Immobilien-Kapital in Real Estate Private Equity auf, also als Pionierin für reine Finanzmarkt-Papiere. Sie kaufte ein Paket von Hypotheken, in dem 72 Prozent Anteile am Wohnungseigentum der Bundesrepublik, 13,7 Prozent Anteilen des Bundslands Hessen und ca. 14,3 Prozent Anteilen der Stadt Frankfurt waren. Sie tauften das Paket, das sie erwarben, "Frankfurter Siedlungsgesellschaft GmbH & Co KG". Dafür konnte Viterra 265 Millionen Commercial Mortgage-backed-Floating-Rate-Anteile (CMBS-FRN) auf dem internationalen Kapitalmarkt unterbringen. Heute gehört dies Paket wie auch der ganze Batzen der Kohle-, Stahl- und Energiewirtschaftspapiere des Ruhrgebiets der Vonovia.

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Vonovia 2017: Vernachlässigung kaufen war Bewirtschaftungsmethode Nummer Eins
(18. März 2020)

Hochhaus

2007 kaufte sich Vonovia, die damals noch Deutsche Annington hieß, in die Wohnanlage Preuswald in Aachen-Bildchen ein. Von 1998 bis 2007 hatten ständig die Eigentümer gewechselt, bis Vonovia den vermietbaren Bestand erwarb. Sie kaufte dort damals 720 Wohnungen. Sie waren herunter gekommen. Das war damals das Geschäftsmodell der großen, privaten Wohnungswirtschaft. Eine Bewohnerinitiative wandte sich an die Stadtverwaltung Aachen und klagte: "Ein früher schickes Wohnviertel im Grünen verkommt mehr und mehr und Politik und Verwaltung tun nichts, um den Niedergang zu stoppen." Auch Vonovia machte sich erst an die Instandsetzung; als Aachen erhebliche Gelder aus einem Programm für Stadterneuerung für Preuswald organisierte.

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Vonovia plündert Mieterinnen und Mieter durch Modernisierung
(12. Februar 2020)

Promo

Mit dieser Einstiegsdroge soll auf meiner Homepage eine Serie von neuen "Kommentaren" auf den Weg gebracht werden. Denn es ist unübersehbar, dass sich die politische und wohnungswirtschaftliche Auseinandersetzung um Mieten in Deutschland zuspitzt. Meine Erzählungen über Vonovias Geschichte als wohnungspolitisches Großunternehmen unter derzeitigen Finanzmarktzwängen sollen dazu beitragen, ihr Handeln in diesem Rahmen zu begreifen und sich dem sozialpolitisch und wohnungspolitisch entschiedener entgegen zu stellen.

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